viel verkehr in den wolken – eigene cloud oder doch besser bei einem professional?

Viel Verkehr in den Wolken

Der Datenverkehr im Internet wird wegen Cloud-Anwendungen bis 2016 um das Sechsfache zunehmen. Mit Folgen für die Konsumenten.

Die Cloud – eine nützliche Sache. Der Begriff steht für die Nutzung von Rechnerleistung, Diensten und Speicherplatz via Internet. Der Vorteil für die Konsumenten liegt auf der Hand: Mails, Fotos, Kalender, Kontakte und andere Daten können diese via Wolke mit beliebig vielen Endgeräten abgleichen – Computern, Laptops, Smartphones, Tablets. Die Daten bleiben auf allen Geräten immer aktuell.

Hinter der Cloud verbergen sich riesige Rechenzentren, sogenannte Serverfarmen. Die grössten umfassen mehrere Tausend Quadratmeter. Dort werden die Daten gebündelt, gelagert und abgerufen. Der beliebteste und bekannteste Cloud-Dienst ist Dropbox. Apple nennt seinen Service iCloud, bei Microsoft heisst er Skydrive. Google hat mit Chrome und Android gleich komplette Computer-Betriebssysteme für die Cloud entwickelt.

6,6 Zettabytes an Datenverkehr

Mit dem Aufkommen von Cloud-Diensten nimmt jedoch der Datenverkehr zu. Im Jahr 2016, so schätzt eine neue Studie des Netzwerkausrüsters Cisco, wird die Cloud für zwei Drittel des gesamten Datenverkehrs via Rechenzentren verantwortlich sein. Der gesamte Datenverkehr in Rechenzentren erhöhe sich in vier Jahren auf 6,6 Zettabytes. Diese Datenmenge ist enorm: Sie entspricht 92 Billionen Stunden Musik, oder 16 Billionen Stunden Internetvideokonferenzen via Webcam oder sieben Billionen Stunden High-Definition-Video-Streaming.

Marktforscher IHS iSuppli bestätigt die enorme Zunahme der Cloud-Nutzung. Für das Gesamtjahr 2012 gehen die Analysten von 500 Millionen Konsumenten aus, die ihre Daten in die Wolke verlagern. Die Zahl der Nutzer soll kontinuierlich ansteigen und im nächsten Jahr bereits bei 625 Millionen liegen. Im Jahr 2017 könnten rund 1,3 Milliarden Menschen ihre Daten in die Cloud auslagern.

«Internetinfrastruktur ist nicht vorbereitet»

Dieses Wachstum bedeutet letztlich eine massive Belastung des öffentlichen Netzes. Die Frage stellt sich: Ist die Schweiz für dieses enorme Wachstum an Datenverkehr gerüstet? «Cloud-Computing-Anwendungen haben ihren Reiz, weil der Zugriff auf persönliche Daten von überall einfach via Internet möglich ist. Nimmt der Datenverkehr in den nächsten Jahren tatsächlich so massiv zu, ist unsere Internetinfrastruktur nicht vorbereitet», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Comparis.

Beyeler ortet insbesondere auf der letzten Meile eine Überlastung: «Das Internet über Festnetz (DSL) kommt an Grenzen. Die meisten Kunden können bereits heute nicht mit der Geschwindigkeit surfen, für die sie eigentlich bezahlen.» Ein Ausbau sei dringend notwendig. Glasfasernetze, die derzeit in einigen Städten und wenigen ländlichen Gemeinden teuer neu gebaut werden, würden die notwendige Geschwindigkeit bieten. DieSwisscom (SCMN 384.6 0.50%) untersucht jedoch, ob die Geschwindigkeit der bestehenden Kupfer-Telefonleitungen in Zukunft über neue Technologien weiter erhöht werden kann. «Ob dies funktionieren wird, ist noch nicht bekannt», sagt Beyeler.

Auch Mobilfunknetz kommt an seine Grenzen

Auch das ohnehin schon ausgelastete Mobilfunknetz kommt an seine Grenzen. «Die Anbieter müssen in den nächsten Jahren in die Infrastruktur investieren, wenn sie mit dem Wachstum des Datenverkehrs mithalten wollen», ist Beyeler überzeugt.

Tatsächlich zeigen Zahlen des Netzwerkausrüsters Ericsson, dass sich die Nutzung der Mobilfunknetze in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Seit 2007 hat sich die Nutzung mobiler Datendienste explosionsartig gesteigert. Seit dem vierten Quartal 2009 übersteigt die Daten- die Sprachnutzung. Der weltweite Datenverkehr hat sich laut Ericsson im ersten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahresquartal auf knapp 700 Petabyte im Monat verdoppelt. Besonders Videodienste tragen laut Ericsson zum Wachstum des Datenverbrauchs bei. Aber auch der Trend zu Cloud-Computing-Anwendungen habe den Datenverkehr vermehrt.

Und in der Schweiz? Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt die Swisscom, dass der Datenverkehr durch Cloud-Dienste signifikant zugenommen habe. Wie ein Sprecher erklärt, verdopple sich das übertragene Datenvolumen alle 16 Monate. Wie stark dies auf Cloud-Dienste zurückzuführen sei, kann die Swisscom nicht sagen. Diese Entwicklung mache es aber notwendig, die Infrastruktur auszubauen, um dem Datenaufkommen von Cloud-Services künftig beizukommen.(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Tages-Anzeiger / Erstellt: 26.10.2012, 19:25 Uhr